Streiks auf Sizilien

Streiks auf Sizilien
Streiks auf Sizilien

Auf Sizilien wird seit 16.01.2012 gestreikt – und niemand hat es bemerkt. „Es ist wie eine Revolution hier“ warnt mein Freund Mimmo von Sizilien über facebook – und er wundert sich, dass es kaum Presseberichterstattung gibt, weder in Italien selbst, noch von internationalen Medien. Und immer, wenn es wenig Informationen gibt, keimen Gerüchte und Verschwörungstheorien. Aber was ist denn da los in Sizilien?

Blockaden der Trucker, der Fischer, der Bauern...

Angefangen hatte es am 16.01. mit spontanen Blockaden von Fernfahrern, die gegen Mario Montis Sparpläne und höhere Autobahngebühren protestieren. Dazu gesellte sich überall auf Sizilien Gruppen von Bauern und Fischern, die sich mit Protestmärschen den Truckern anschließen. Eine „Heugabel Bewegung“ nennt die Aktionen „Die Fünf Tage von Sizilien“ und erklärt, das sich Proteste bis Freitag, den 20. Januar hinziehen werden. Auch hier sind die Sparmaßnahmen der italienischen Regierung - und die EU überhaupt - Ziel der Proteste: Beklagt werden als ungerechtfertigt empfundene Fangzahlen für Schwertfische und hohe Dieselkosten für die Fischerboote, zu geringe Subventionen für die landwirtschaftlichen Produkte. Über 100 Taxifahrer in Syracus sollen sich ebenfalls den Protesten angeschlossen haben. Bei den Taxifahrern geht es gegen eine geplante Aufweichung der Zulassung für neue Taxi-Lizenzen. Hier ist es aber wahrscheinlich einfach eine zufällige Überschneidung, denn Taxifahrer in ganz Italien protestierten in den letzten Tagen gegen diese Neuregelung.

Feindbild "Politische Klasse"

Allen auf Sizilien Protestierenden gemeinsam ist, das man sich auf das „Sizilianische Vesper“ beruft, einen Bauernaufstand im Jahr 1282 gegen die französische Fremdherrschaft (Damals waren die Herren von Anjou aus Frankreich vertrieben und durch die Herren von Aragon aus Spanien ersetzt worden … ). Doch diesmal gibt es insgesamt viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Zielen – und immerhin einem gemeinsamen Gegner: Die politischen Klasse. Der Begriff „politische Klasse“ entstammt übrigens der Feder eines Sizilianers - Gaetano Mosca aus Palermo – der damit bereits vor fast 100 Jahren die politische Führungsschicht, „namentlich die Politiker selbst, als selbstverfangene und machtversessene soziale Klasse“ (siehe wikipedia) bezeichnete. Jetzt ist diese das einende Feindbild der Protestbewegung auf Sizilien in diesen Tagen. Sizilien, das Armenhaus von Italien, begehrt auf gegen Armut, empfundenes Unrecht aber auch gegen die, die dafür verantwortlich gemacht werden. Selbst Mafia und Katholische Kirche seien in diesem Konflikt nicht hilfreich für die einfachen Menschen – das kann man jedenfalls in verschiedenen Blogposts lesen. Die Proteste verlaufen bisher alle weitgehend friedlich (anders als beim „Sizilianischen Vesper“, bei dem vor über 700 Jahren mehr als 8000 Franzosen niedergemetzelt wurden).

Die Menschen auf Sizilien erleben sich plötzlich in der Geiselhaft, die das Merkel/ Sarkozy „Rettungspaket“ für die internationalen Großbanken für die damit attackierten Volkswirtschaften bedeutet. Italien spart für die Bänker – auf Kosten der Bevölkerung. Sizilien, die ärmste Region in Italien, hatte vorher kaum genug zum Leben und da machen Kürzungen bei Subventionen oder neue aufgezwungene Belastungen wirklich Probleme.

Sizilien liegt still

Und was passiert jetzt in Sizilien? Inzwischen gibt es kaum noch offene Tankstellen und die Regale der Lebensmitteldiscounter werden leer. Streikposten achten darauf, dass niemand zur Schicht gehen kann bin den wenigen Industriebetrieben auf der Insel und selbst viele kleine Ladenlokale und Handwerksbetriebe machen die Tore nicht auf – aus Solidarität oder weil sie freundlich darauf hingewiesen wurden. Den Bussen des öffentlichen Nahverkehrs geht der Sprit aus und selbst die für die Verbindung mit dem Festland wichtigen Fähren müssen auf Ausweich-Häfen verlegt werden, damit der Betrieb einigermaßen aufrechterhalten werden kann. Auf Sizilien geht in diesen Tagen nichts mehr – außer den Blockaden und Protestmärschen.

Presse gelangweilt

ganz Sizilien scheint seit Beginn der Proteste niemanden auf der Welt zu interessieren: Keine der großen Nachrichtenagenturen verbreitete Meldungen zu den Protesten in Sizilien, in Tageszeitungen und Nachrichtesendungen weltweit herrscht Funkstille. Und wie immer, wenn es wenig Informationen gibt, blüht der Markt für Gerüchte und Verschwörungstheorien. So soll die italienische Regierung eine Nachrichtensperre verhängt haben um das Überschwappen der Proteste von Sizilien auf ganz Italien zu verhindern. Ob Montis Arm allerdings stark genug wäre, die Weltpresse zum Schweigen zu verdonnern, möchte man bezweifeln. Wahrscheinlicher ist, das die Proteste auf Sizilien einfach in der Schublade „wieder mal ein italienischer Streik“ gelandet sind. Wer kennt nicht das Image von Italien, das kein Tag vergeht, ohne dass irgendwer irgendwo gerade streikt. Darunter fallen dann wohl auch Berichte in der Bloggerszene, nach denen es zu vereinzelten Solidaritätsaktionen anderer Truckfahrer im Rest von Italien gekommen sein soll. In Italien ist das wohl so.

Reisewarnung Sizilien

So bleibt es wohl auch hier auf meinem Blog zu diesen sizilianischen Protesten im Januar 2012 einzig bei einer Reisewarnung:

1. Wer heute oder in den nächsten Tagen auf Sizilien tanken oder einkaufen will, der muss sich auf ein stark eingeschränktes Angebot bei den Tankstellen und Geschäften sowie lange Wartezeiten einrichten.
2. Politiker und Bänker sollten Sizilien in den nächsten Tagen großräumig umfahren.

ML

Datum: 20.01.2012

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