Geburtstag zum Karneval in Salvador da Bahia

Karneval in Salvador bahia
Zwei Millionen Besucher im Karneval da Bahia feiern mit mir Geburtstag.

Es ist eines der großen Geschenke, die ich mir selbst in meinem Leben gemacht habe: Den Geburtstag feiern beim Karneval in Brasilien. Ich war ja bereits im letzten Jahr zu Neujahr in Salvador da Bahia und habe mit Rainer seinen Geburtstag dort gefeiert. Karneval allerdings ist noch einmal ein Schippchen drauf zu dem bunten Treiben in Salvador um Neujahr: Sieben Tage Party pur im „Carnaval de Salvador Bahia“, hunderte von Musikbands und zwei Millionen Menschen ausgelassen in purer „Alegria“ – wenn das kein tolles Umfeld für eine Geburtstagsparty ist. Und das alles bei 35 Grad am Tag und 25 Grad in der Nacht. Da kann mir der Rheinische Karneval in Düsseldorf einfach gestohlen bleiben. (zum jecken Treiben gehts hier>>>)

Sergio dos Santos, ein Stadtführer aus Salvador, hatte uns eine nette Ferienwohnung in Barra besorgt, ganz in der Nähe zu den Karnevalsumzügen der Stadt. Peinlich eigentlich, aber auf den eigenen Domains zu Ferienwohnungen gab es nichts in Salvador, was man hätte buchen können. Ich kann Euch sagen: Der ganze Spaß war richtig teuer: Zu Karneval sind alle Hotels schon mit hochgezogenen preisen ausgebucht und auch für die Ferienwohnung nahm man von den lebenden. Dazu kam: Wir mussten für 10 Tage buchen, obwohl wir nur 7 Tage in Bahia bleiben würden. Wir hatten Flüge mit der Condor gebucht, und die fliegen immer Mittwoch auf Mittwoch. Der Flug war übrigens nicht ausgebucht – vielleicht sind die Deutschen Karnevalsmuffel?

Aus dem kalten Winter mit Minustemperaturen in Düsseldorf (siehe auch duesseldorf-netz.de) ging es also ins sommerheiße Salvador. Sergio hat uns nach 11 stündigem Flug am Flughafen von Bahia in Empfang genommen und zur Ferienwohnung gebracht. Das war auch nötig, allein hätten wir da nichts mehr gefunden: Zum einen sind die Adressen recht – sagen wir gewöhnungsbedürftig. Unsere Wohnung lag z.B. auf der Avenida Sete de Setembre und hatte statt einer Hausnummer den Namen des Hauses. Die AV. Sete Setembre ist mehrere Kilometer lang und wer nicht genau weiß, wo das Condo liegt, hat wenig Chancen, es in absehbarer Zeit zu finden. Wichtiger war allerdings, das die Vorbereitungen für den Karneval in Salvador da Bahia bereits im vollen Gange waren und der Stau auf den Straßen durch die ganzen gesperrten Stadtbezirke.

Am Porto da barra in salvadorUnsere Wohnung lag direkt am Porto da Barra, also ganz nahe am Geschehen zum Karneval. Mein Geburtstag sollte erst am Dienstag vor der Abreise sein, so konnten wir uns zunächst auf den Karneval allein konzentrieren. Und das taten wir dann auch ausgiebig: Allein die vielen Orte der Action zu verstehen kostete uns einige Zeit. Es gibt drei große Karnevalsumzüge und Salvador, die alle an allen Tagen des Karneval von Mittag bis weit nach Mitternacht mit Musik und Party gefüllt sind. Sieben Tage mal fast 24 Stunden mal drei Hauptorte, jeweils mehrere Kilometer lang – das konnte eh nicht alles gleichzeitig erlebt werden. Wir haben uns Hauptsächlich in Barra herumgetrieben und als Landmark immer den Leuchtturm von Barra im Auge behalten. Nur wenige Fußminuten von unserer Ferienwohnung entfernt fand sich die Zone, in der die großen Trios – riesige LKW mit 25 Meter Länge, 3,2 Meter breite und über 5 Meter Höhe, jeweils ausgestattet mit hochprozentigen Musikanlagen, ihre Aufstellung für den Karnevalszug von Barra nach Odina nahmen. Bereits am Mittag ging es los: Alle 30 Minuten startet ein neues Trio mit einer mehr oder weniger bekannten Band und einem Block von mehreren hundert Menschen. Samba so laut, das der Leuchtturm bebte und auch die angrenzenden Häuser laut beschallt wurden – das sollten sie auch, in den Sälen und Wohnungen hatten sich Karnevalsgesellschaften eingefunden, die vom Balkon aus kräftig mitfeierten. Apropos feiern: Rainer und ich waren nicht mittendrin aber zumindest ganz in der Nähe – so viele Menschen auf einmal sind dann doch etwas hart. Rund um den Leuchtturm von Barra (Farol de Barra) gab es ein wenig freie Luft.

Markus und Rainer im PelourinhoDie nächsten Tage war dann auch ein Pendeln zwischen den Karnevalsumzügen in Barra, am Campo Grande und dem Pelourinho. Immer, wenn es nicht mehr ging, sind wir zur Wohnung um etwas zu schlafen, dann wieder raus in das Leben des Carnaval von Salvador.

Am Abend vor meinem Geburtstag ging es ins Pelourinho, wo wir nach einem Essen im Restaurant Zulu und ein paar Bieren auf dem großen Platz zwischen den Kirchen in einer Hinterhofkneipe (Pelo Fest) mit Life-Musik in meinen Geburtstag reinfeierten.

Auf dem Rückweg passierte uns dann das, was wir zu vermeiden gehofft hatten: Wir wurden auf offener Straße auf dem Circuito Osman überfallen. Während man mich wegstieß, konzentrierten sich 3 bis 5 Angreifer auf Rainer, der sich zwar verteidigte, aber der Schnelligkeit und Geschicklichkeit der Hände, die eine Fotokamera aus seiner Hosentasche fischten, nicht gewachsen war, Die Räuber verschwanden in Sekundenschnelle wieder und der Spuk endete so schnell, wie er aufgetaucht war. Von uns war keinem Was passiert, eine Kamera ist leicht zu ersetzen – nur schade um die frischen Urlaubsbilder, die noch nicht auf dem Rechner gesichert waren.

Was hatten wir falsch gemacht? Eigentlich nichts, wie uns Freunde nachher erklärten, solche Überfälle können jedem passieren. Ungeschickt von uns war nur, das wir die südliche Hälfte der Schleife vom Circuito gewählt hatten anstelle der nördlichen, dieser Bereich ist auch in der Zeit außerhalb des Karneval für eine hohe Kriminalität bekannt. Tatsächlich waren hier auch keine der sonst überall präsenten Polizeibeamten weit und breit zu sehen. Richtig war, das wir uns nicht zu sehr gewehrt haben, das wir die Täter nicht verfolgt haben und das wir auch nachher keinen Aufstand gemacht haben – all das hätte die Situation nur verschlimmern können.

Den Tag verbrachten wir dann am Farol da Barra, am Leuchtturm von Barra. Als es allerdings dunkel wurde merketen wir, das sich für uns irgendwas geändert hatte. Wir waren weniger unbeschwert und beobachteten die Menschen um uns herum noch viel genauer. Nach einem Carne do Sol am nach dem kunkelwerden verbrachten wir den Rest des Abends etwas abseits vom Karnevalszug in einem kleinen Restaurant und gingen für Verhältnisse des „Carnavals de Salvador Bahia recht früh schlafen. Am nächsten Tag ging es wieder zurück ins 40 Grad kältere Deutschland.

Trotz des Schocks ausgerechnet an meinem Geburtstag unvergessliche Tage mit wunderbaren Erlebnissen. Und mit Sicherheit nicht das letzte Mal in Brasilien: Salvador – ich komme wieder.

Geburtstag in Salvador de Bahia

Ein paar gute Ratschläge für alle, die den Karneval von Salvador besuchen möchten:
1. Trau keinem Karnevalisten, der dir erzählt zu Karneval müsse es kalt sein.
2. Trink niemals mehr Bier, als du bei Gluthitze von 30 Grad + am Tage verträgst, auch wenn es schmeckt.
3. Gehst Du zum Karneval, vergiss nicht einen Hut oder eine Mütze … jedenfalls in den Stunden bis zum Dunkelwerden. Die Sonne von Brasilien brennt dir die Birne weg vor allem wenn du Tipp 2 nicht beherzigst.
4. Merk Dir gut, wo du wohnst und wie du dorthin kommst. Bei einer Stadt, die um Karnevaltaumel Kopf steht, kann das allerdings manchmal recht schwer sein.
5. Nimm jeden Augenblick mit den du geschenkt bekommst, es ist Karneval, die Zeit der Freude – und die kannst du hier gut auftanken.
6. Du brauchst viele 2 Real-Scheine – so viel kostet das Bier am Karnevalszug und die Straßenhändler können oft nicht wechseln. Oder such dir Leute, die mittrinken: Drei Dosen kosten dann 5 Real.
7. Nehmt Euch im besoffenen Kopf lieber ein Taxi für den Heimweg anstatt den Weg zu Fuß über den Campo Grande zu laufen – oder nehmt die nördliche Schleife und achtet darauf, dass immer irgendwo Polizei in Sichtweite ist.

Zu Salvador habe ich natürlich eine Webseite an den start gebracht: www.salvador-netz.de - da gibts noch mehr Erlebtes.
 

MLenk

Foto: Markus Lenk

Datum: 24.02.2012

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