Der Linkzar mit dem Schwarzen Hut

Der Linkzar mit dem Schwarzen Hut
Der Linkzar mit dem Schwarzen Hut

Ein Gespenst geht um in Deutschland: Auf einer russischen Domain bei einem russischen Hoster hat ein selbsternannter „Linkzar“ den deutschen SEOs den Linkkrieg erklärt.

Irgendwie muss ich hier wirklich schmunzeln. Mal abgesehen davon, das das Design der Domain des "Zaren" wirklich witzig ist und allen Klisches der Deutschen zu Russen entspricht, und deren Inhalt entweder satirisch oder hirnkrank (über Geschmack läst sich streiten) ist, hat die Seite einen riesen Aufruhr in Deutschland erreicht. Auf der Seite wird angekündigt, man werde jeden deutschen SEO, der über Russenlinks schreibe – und alle seine SEO-Kunden - mit hunderten von solchen Links „bestrafen“, wenn nicht um Gnade gewinselt werde, denunziert werde etc. Die „Bösewichter“ seien inklusive ihrer Kundendomains bereits ausgemacht und die „Strafen“ seien ausgesprochen. Die Droherei dort ist im besten Falle kindisch und geschmacklos. Offensichtlicher Fake auf der Seite des „linkenden Zaren“ sind eine Reihe von „Denunzianten-Komments“ – soviel Kriecherei traue ich wirklich keinem der dort postenden zu. Ist das ein simpel angelegter Linkbait?

Tatsächlich werden derzeit auf russischen Webseiten Links gekauft, die mit Linktexten wie „Black Hat SEO“ oder „Linkkauf“ auf Deutsche SEO Domains zeigen. Grund genug für den ansonsten sehr bedächtigen und analytischen Sistrix in einem Blogpost „Der Linkzar macht Ernst“ darauf hinzuweisen. Ungewöhnlich fand ich dort den Hinweis, da Google wohl hier reagieren müsse.

Aber was passiert eigentlich?

Da beweist jemand - oder eine Gruppe - das Googlebombing noch funktioniert und das vielleicht sogar das "almost" in den englischen Google-Guidelines seine Berechtigung hat - was aber eher eine Ankündigung ist, als belegt. OK, Googlebombing nicht für ein richtig hartes Key, aber er hat / sie haben ja auch nur ne Handvoll bereits abgewerteter russischer Links zur Verfügung. Ein großer "Feldversuch" also, für den der "Zar" / die Leute wohl auch noch Geld ausgeben, um die ganzen benötigten Links einzukaufen. Ungeklärt ist, wie viel Kapital der linkende Zar wirklich für dieses Spiel hat – auch russische Webseitenbetreiber haben keine Lust, in großem Stil „link for free“ zu geben. Und bei den angekündigten Zahlen von Links für fiese deutsche SEOs braucht es schon einiges an Rücklagen, auch bei kostengünstigeren "Russenlinks" damit da nicht das Geld ausgeht. Denn mit dem Verschenken von gekauften Links verdient man erst mal nichts - man erreicht alleridings eine große Aufmerksamkeit.

Als Ziel fürs Googlebombing nimmt er / nehmen sie mal nicht einen etwas langsamen amerikanischen Präsidenten sondern die Creme de la Creme der deutschen SEOs. Und was machen die? Die rufen nach dem Staatsanwalt oder wenigstens nach der heiligen Kuh Google, um das zu regeln. Und die Zaren-Domain ist in aller Munde ... nochmal: Linkbait?

Ist schon was zu Regeln überhaupt? Bisher werden ein paar Webseiten mehr unter ungewollten Keywords gefunden. Na ja - noch nicht so richtig gefunden, wenn man nicht exotische Abfragen nutzt. Die Russenlinks hatten ja noch keine Zeit zu greifen... Gibt es sonst irgendwas als Konsequenzen des unerwarteten Linksegens? Ich dachte die Dinger sind abgewertet - aber fürs Googlebombing scheinen sie ja noch zu reichen, wenn es nur genug sind. Das ist doch schon mal ein Hinweis auf den bei Google hinterlegten Algo…

Gibt es irgendeinen weiteren Hinweis darauf, das die Links den jetzt betroffenen Domains schaden? Nach massiven „aufgeflogenen“ Linkkäufen in Russland hat Google angefangen, die gekauften Links abzuwerten. In Folge davon waren auch in Deutschland eine Reihe von deutschen Webseiten so stark in Mitleidenschaft gezogen, das Vermutungen laut wurden, nun werden nicht nur die Linkverkäufer Domains mit „Abstrafungen versorgt“ sondern auch die Link-Kaufenden Seiten. Diese Vermutung ist meines Wissens nicht abschließend geklärt. Werden Linkkauf-Penalties für Russenlinkkäufer manuell oder algorithmisch vergeben? Gibt es überhaupt Penalties außer der Abwertung für nicht mehr relevante Links? Wenn das der Fall wäre, ergäben sich für die Zukunft ja gänzlich neue Perspektiven für Linkhandel in Russland (oder China, Indien oder meinetwegen Afrika) - den Mitbewerber mit solchen Links zu „sponoren“. Das „almost“ in „almost nothing“ in den englischen Google Guidelines und im Google Algorithmus würde dann sein fieses Gesicht zeigen. Während Google mit aller Macht versucht, die Manipulation seiner Suchergebnisse durch den Kauf von Links zu unterbinden – würde gerade dadurch der Manipulation von Suchergebnissen Tür und Tor geöffnet werden. Wie sagt TV-Kaiser? „Ein Teufelskreis!“

Die „Drohungen“ des linkenden Zaren beruhen darauf, das er /sie durch diese gekauften Links für eine Abwertung der SEO-Seiten und deren Kundenseiten sorgen können. Wenn dies nicht der Fall ist – das „almost“ also nur einen kleinen Faktor ausmacht - worüber regt man sich auf? Ich kenne das sonst gar nicht, das irgendjemand sich über freiwillige Verlinkung aufregt, auch nicht tausendfach – „Nem geschenkten Gaul ...“. Im qualifizierten (natürlich nicht gekauften!) Linkaufbau gehen die im Zweifel unter, wenn sie nicht gar positiv sind.

Und wenn sich die ganze Aktion am Ende nur als Supportaktion für die krisengeschüttete SEO-Szene in Deutschland entpuppt? Tausende von freiwilligen "care-links" also Support aus Russland. Ein Zeichen gegen die Krise, ein Zeichen der Freundschaft zwischen Russen und Deutschen... oder als einfacher Linkbait?

Zur Zeit ist es aber nur eine Posse – und wenn es nicht um die gebündelte SEO-Szene in Deutschland gehen würde, wäre es eine aus der Provinz. Aber so abgeschlagen sehe ich den deutschen SEO doch nun auch nicht.

P.S: Kriege ich jetzt auch 2000 Links for free?

P.SS. Inzwischen gibtsdie Linzar webseite nicht mehr, die Domain ist eine Weiterleitung zu einem Online-Game, bei der zumindest bei mir eine Virus-Warnung ausgelöst wird. (10/2010)

Datum: 23.02.2009

Kommentar (3)

internetente

(04.03.2009)

Die Links wurden vielleicht garnicht für Geld gesetzt... bei mir fehlen ein paar. Vielleicht haben die Seitenbetreiber gemerkt was ihnen untergeschoben wurde. Wer weiss...

claas schaefer

(07.05.2009)

Ganz klar, Linkbait... Gibt es schon Schadensfälle?

Andi

(03.02.2010)

Was wurde denn jetzt aus der Aktion?

News

Aua – alles tut weh!
Im Haus und auch draußen: erst mal muss man kaputt machen, bevor man die Sachen reparieren oder besser restaurieren kann. Drinnen stehen zuerst die Fußböden an, draußen der Busch, der die Treppe verdeckt und das ganze Grass, das über dem Pflaster vor den unteren Eingängen und der Garage.
Mission Possible
Ich kann dachdecken! Im neuen Haus in Sinspert haben wir jetzt den Schlüssel bekommen. Die erste Aktion: Dachdecken - oder besser: Dach reparieren. Hat geklappt ...
Notartermin 30.10.2014
enn man ein Haus kauft, muss man zum Notar. Damit ist allerdings noch nicht alles geregelt. Danach dauert es ... Sachen, die einfach Bürokratie sind. Zum Nutzen von uns und dem Verkäufer - und mit Hilfe eines Notars.